Tag Archives: Kulturforum Berlin

WaS-Filmabend & Facebook

20 Oct

20. Oktober, 9:50: Filmabend erweist sich als halber Hoax. Lücke im Programmkalender wurde mit etwas gefüllt, was sowieso täglich drei Mal im Loop dort läuft. Es ist also keine Veranstaltung.

[alter Post:: Update im Veranstaltungsprogramm. Morgen, Donnerstag 21. Oktober 2010: Filmabend von 18 bis 22 Uhr im Ausstellungsraum der Kunstbibliothek. Quelle: WaS-Facebookseiten. ::alter Post]

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Welt aus Schrift, die Texte

14 Oct

Im einleitenden Artikel »Schrift als Programm oder Aschenbrödel für jedermann?« gibt Anita Kühnel auf zehn Seiten einen wunderbaren Überblick über den in der Ausstellung gezeigten Zeitraum, in dem sie kunstgeschichtliche, technikgeschichtliche und gesellschaftliche Entwicklungen mit einander verknüpft und auf die unterschiedlichen Genres des Schriftschaffens eingeht.

In »Schreibmeister und Writer« (6 Seiten) stellt Bernard Stein, der für die Gestaltung der Ausstellung verantwortlich zeichnet, den deutschen Schreibmeister der Renaissance Johann Neudörffer d. Ä. dem heute aktiven Graffiti-Writer MICRO gegenüber und verknüpft diese Betrachtung mit einer Passage aus Claude Lévi-Strauss’ Traurige Tropen.

Sylke Wunderlich behandelt in »Ornament und Schrift – Schrift und Ornament« (12 Seiten) zunächst das Wesen dieser beiden Aspekte, um darauf verschiedene Interaktionen der beiden zu untersuchen: Typografie plus Schmuck, ornamentale Schrift, Initiale und Zierschriften.

Bei Günter Karl Boses »Normalschrift. Zur Geschichte des Streits um Fraktur und Antiqua« (14 Seiten) mag man zunächst denken: Nanu? Schon wieder? Doch Bose hat mehr zu sagen, als man bereits bei Kapr gelesen hat. Überaus gründlich und interdisziplinär recherchiert korrigiert er viele bereits bekannte, zu schematische Darstellungen.

Der kurze Text »Marken und Zeichen in ihrer Herkunft, Anwendung und Bedeutung« (2 Seiten) von Kurt Weidemann beleuchtet Aspekte von Marken und Zeichen.

In »Wort in Freiheit – Typografie im Visier der Avantgarden« (8 Seiten) zeichnet Michael Lailach Stationen auf, an denen die Grenzen zwischen Literatur, Kunst und Schriftschaffen verwischen: Mallarmé, Futurismus, Schwitters, Dada, De Stijl, El Lissitzky, Majakowski, Gomringer …

Viola Hildebrand-Schat geht in »Zwischen Lesbarkeit und Unlesbarkeit. Die unsichtbare Grenze« (10 Seiten) teilweise auf die gleichen Avantgarden ein, hat dabei aber eine andere Fragestellung, nämlich die verschiedener Lesarten, bildlicher und typographischer, die Lesbarkeit nicht im Sinne von Mikrotypographie interessiert, sondern im Sinne vielschichtiger Kommunikationsprozesse.

»Kampf um Wahrnehmung. Schrift und Werbung« (8 Seiten) von Anita Kühnel und Jan May stellt die Ausbreitung der Schrift im öffentlichen Raum dar, vom Plakat zur Leuchtschrift, wobei hier die Fokussierung der Betrachtung auf Deutschland und den Zeitraum der Ausstellung problematisch ist.

Um Fragen der Integration typographischer Zeichen in Entwürfen der Mode geht es in Adelheid Rasches Beitrag »TEXT für TEXTiles: von Schrift und Kleidung im 20. Jahrhundert« (6 Seiten). Da in diesem Bereich so gut wie keine ernsthaften Forschungen vorliegen muss sich die Autorin damit begnügen, exemplarische Beispiele systematisch zusammenzustellen. Es ist zu wünschen, dass dieser strukturierte Überblick die Grundlage für eine interessante Forschungsarbeit wird.

In »Zeichen im Raum – Wege aus dem Schilderwald? Vom Dschungel in den Schilderwald?« bringen Florian Adler und Hans-Peter Schmidt den Aspekt der Orientierung im öffentlichen Raum in einer differenzierten Betrachtungsweise ein und zeigen Lösungsansätze jenseits des Schilderwaldes auf.

Matthias Gubig wagt mit »Ausgeprägte Charaktere. Handwerkstechniken und Schriftformen« (8 Seiten) einen Parforceritt durch die Geschichte der Antiqua-Buchtypografie, von der »Erfindung« der Serife zum digitalen Font. Die starke Verknappung erzeugt Raum für Missverständnisse bei einem Themenbogen, der viele Minenfelder der Typographiegeschichte berührt.

»Animierte Schrift und Schrift in digitalen Medien« (6 Seiten) von Fred Smeijers spannt einen überraschenden Bogen von typographischen Animationen in Filmvorspännen über Las-Vegas-Schriften in animierbaren Glühbirnen-Matrices zu den  Möglichkeiten digitaler Font-Programmierung und stellt fest, dass auf diesem Feld die gestalterischen Potenziale lange nicht ausgeschöpft sind.

Jan May und An Paenhuysen geben mit »Vorspannkino« (3 Seiten) einen kurzen Abriss der Entwicklung des typographischen Vorspanns und verweisen auf herausragende Beispiele.

Die Aufsätze des Kataloges erweitern noch einmal die offene Konzeption der Ausstellung, öffnen Horizonte und bieten den Einstieg in eine intensivere Beschäftigung für Laien und Fachleute. Sie sind frei von grobem Unsinn und äußerst angenehm in der Ernsthaftigkeit die den Themen zuteil wird. Empfehlenswert vor, während und nach der Ausstellung!

Anita Kühnel [Hrsg.] in Zusammenarbeit mit Michael Lailach und Jan May: »Welt aus Schrift – das 20. Jahrhundert in Europa und den USA«, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010. ISBN: 978-3-86560-888-8

Welt aus Schrift, das Buch

14 Oct

Zur Ausstellung erschien ein 272 Seiten starker Katalog im Quarto-Format bei Walther König, der in Ausstellung wie Internet 29,80 Euro kostet. Website Buchhandlung Walther König. Er beinhaltet etwa 300 fast durchgängig farbige Abbildungen und nicht weniger als 12 Fachartikel zu sehr verschiedenartigen Aspekten des Themas Schrift. Gestaltet wurde das Buch vom Berliner Büro Heimann und Schwantes.

Cover Katalog Welt aus Schrift

Dieses Buch ist mehr als nur ein Katalog und auch mehr als ein Begleitbuch. Da in der Ausstellung selbst weder Audioguides noch Texte Erklärung und Hinführung bieten ist es das Medium der Vermittlung für das Gezeigte überhaupt. Was auf den ersten Blick positiv auffällt, ist die inhaltliche Strukturierung, die auf grafischer Ebene sehr gut umgesetzt ist.

 

Doppelseite des ersten Aufsatzes

 

 

Einführung Zeitabschnitt

 

 

Beginn des ersten Katalogteils

 

Das Buch ist in vier Artikelfolgen und drei Ausstellungsläufe unterteilt, die gestalterisch und dem Papier nach von einander abgesetzt sind. Im steten Wechsel bieten sie einen ansprechenden Rhythmus von Lesen und Kucken. Die chronologische Einteilung von Zeitabschnitten folgt im Wesentlichen der in der Ausstellung, wobei jeder Zeitabschnitt im Bildteil von einer zweiseitigen Einführung eingeleitet wird. Die Fachaufsätze sind in sich geschlossene Einheiten – wiewohl stellenweise aufeinander Bezug nehmend – und erlauben eine selektive Lektüre nach Stimmung und Interesse.

Im Farbkonzept setzen die Gestalter auf die drei traditionsreichen Farben der Drucker, Weiß, Schwarz und Rot. Diese Farben, die schon das papierbezogene Hardcover prägen, wiederholen sich beim schwarzen Vorsatz, den roten Kapitalbändern und in der typografischen Gestaltung des Inhalts. Eine überzeugende Einheit.

Ebenfalls sehr gelungen ist der zweispaltige Satz der Lesetexte mit einem relativ großen Zeilenabstand, der der Lesbarkeit sehr zuträglich ist. Der Umbruch des in schweizer Manier stark flatternden Satzes ist ausgezeichnet. Die Reduktion der äußeren Ränder des Seitenspiegels auf einen knappen Zentimeter bei breit gewähltem Bundsteg zerlegt zwar den Zusammenhalt der Doppelseiten, doch geht diese konsequent durchgezogene Gestaltung nicht zu Lasten des Inhalts und des Materials.

 

Times New Roman, die Fußnoten scheinen vertikal gestaucht.

 

Was mir allerdings partout nicht in den Kopf will ist die Schriftwahl: Times New Roman. Mir ist bewusst, dass es eine typographische Mode gerade im Bereich Kunstbuch ist, mit »antitypographischen« Schriften zu gestalten. Für ein Buch mit solchem Thema hätte ich mir trotzdem etwas anderes gewünscht, zumal es an jungen und sehr guten Typedesignern und -designerinnen in Deutschland nicht mangelt. Leider eine verpasste Chance, einer oder einem von ihnen ein breitenwirksames Podium zu bieten.

 

Bei aller Kritik: meine Digitalaufnahmen sind schlechter als die Tatsachen!

 

Der andere Wermutstropfen der Publikation ist die stellenweise deutliche Abweichung in der Farbigkeit der an sich sehr guten Reproduktionen im Bildteil. Trotz insgesamt sauberer Produktion bleibt die Feststellung, dass nichts den Gang zu den Originalen der Ausstellung ersetzen kann.

Anita Kühnel [Hrsg.] in Zusammenarbeit mit Michael Lailach und Jan May: »Welt aus Schrift – das 20. Jahrhundert in Europa und den USA«, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010. ISBN: 978-3-86560-888-8

Welt aus Schrift, Veranstaltungen

13 Oct

Für alle, die es etwas bequemer mögen als auf den Seiten der Staatlichen Museen zu Berlin, hier eine Liste der Veranstaltungen zur Ausstellung, ohne Gewähr. Quelle: Website der SMB, Flyer der Ausstellung, Twitter.

Jeden Sonntag um 16:00 Uhr findet ein Führung in der Ausstellung statt, die abgesehen vom regulären Eintrittspreis kostenlos ist. Es gibt darüber hinaus zwei Linien an Veranstaltungen. Thematische Vorträge sowie die Führung der Kuratorin finden ebenfalls innerhalb der Ausstellung statt. Die Vorträge der Reihe »Text-Gestalten« finden im Vortragssaal des Kunstgewerbemuseums statt (KGM). Diese sind vollständig kostenlos, Sprache ist Deutsch. Beide Veranstaltungslinien beginnen jeweils um 18 Uhr.

30. September 2010 // Sylke Wunderlich: Schrift und Ornament. Ornamentale Schrift. Ort: Ausstellung

07. Oktober 2010 // Niklaus Troxler: Schrift im Plakat. Ort: Ausstellung

14. Oktober 2010 // Florian Hardwig: Die vielen Formen der ersten Schrift. Ort: KGM

28. Oktober 2010 // Lucas de Groot: Realität und Digitalität. Ort: KGM

04. November 2010 // Jürgen Siebert: Die 7 Stufen der Technologiekritik. Wie »Bedenkenträger« den technischen Fortschritt in der Kommunikation ausbremsen und wie man ihnen begegnet. Ort: KGM

11. November 2010 // Matthias Gubig: Wie kommen die Formen der Schrift zustande? Ort: Ausstellung

18. November 2010 // Jan May: Schrift und Architektur. Ort: KGM

25. November 2010 // Bernard Stein: ABC usw. Ort: Ausstellung

02. Dezember 2010 // Kurt Weidemann: Zeitgemäß – Unzeitgemäß. Debatten um Formen der Schrift. Ort: KGM

09. Dezember 2010 // Eef Overgaauw: Werbung um 1400. Das Schriftmusterblatt des Johannes von Hagen aus Bodenwerder in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Ort: KGM

16. Dezember 2010 // Bernd Wolfgang Lindemann: Werbung um 1500. Ein Schulmeister schilt vf beiden seiten gemolt. Eine Werbetafel im Kunstmuseum Basel. Ort: KGM

13. Januar 2011 // Anita Kühnel: Kuratorenführung. Ort: Ausstellung

World as Words, Exhibition

13 Oct

On September 22, 2010 opened the exhibition “Welt aus Schrift [World as Words]” in the special exhibition halls of Berlin’s Kulturforum. For Berlin, it is the first big exhibition featuring the designing of letters and designing with letters in years. This autumn promises to be very exciting. Website of Staatliche Museen Berlin.

It is a unique endeavor mounted by the head of Kunstbiblothek’s graphic design collection, Anita Kühnel. For the first time in the institutions 140 years of existence it presents a big show devoted entirely to its collections in script, lettering and type matters. “World as Words” provides us with an excellent overview of the design of letters and the ways to work with them in Germany, Europe and the US in a period spanning bewteen 1890 and 2010.

The exhibition will be open through January 16, 2011 and is accompanied by lectures of exquisite a choice of speakers. Paralelling “World as Words” are the students of Leipzig’s Hochschule für Grafik und Buchkunst showing type-related works under the title “Einfach realitätsnäher! [Simply closer to reality!]” in the rooms of Kunstbibliothek. To top it all off, a third exhibition “Schrift als Bild [Script as Image]” will open just next door in the Kupferstichkabinett’s halls on October 29, 2010 and be on display through January 23, 2011. These three letter-oriented exhibitions combine into an event that the city’s type scene has not seen in years.

The title “Welt aus Schrift” refers to the the exhibition “Welt aus Sprache” held by West-Berlin’s Akademie der Künste in 1972. In opposition to this earlier precursor, the current exhibition focuses on the Western writing system, Latin script. It traces its formal and historical transformations, points to the various ways letter forms were charged with ideology during the twentieth century and establishes links between the manifold different fields of working with letters.

Especially in this last point the exhibit is outstanding and future-oriented. The times seem to be over when book art was presented apart from poster art, when job printing and store front lettering were excluded. “World as Words” underlines the dialogue of script, lettering and typography, emphasizing the existence of a wider “Letter culture of the West.”

Central in this exhibition are the German speaking countries, as most of the pieces are from Germany, Austria and Switzerland. But the view on culture or geography bound charateristics has been set in relation to developments in other countries, in each of the chronological sections. Works from England, the US, France, Italy and the Netherlands highlight multilayered international references, some times as influences, some times as international movements.

This conceptual openness is also featured in the way that, at certain points the narrow field of letter work is extended to those of litterature and fine arts.

Despite this openness, though, one has to state that at its core “World as Words” presents the canon of graphic design and typography that young designers should familiarize themselves with. How much this is due to the pieces available in the collection that are, only in rare cases,  completed by third party loans, remains unclear.

In her introductory note in the catalog, Anita Kühnel writes: “Laying out the collection is a unique chance to give access to the public to mostly hidden things, but on the other hand the collection politic is put to the test by the limitations [of an exhibition] and by the question which developments in fact show to be exemplarily pointing forward or outstanding.”

But it certainly doesn’t mean a disadvantage to present a wider public with the pearls of the collection. William Morris alongside George Auriol alongside Henry van de Velde alongside Peter Behrens alongside Koloman Moser at the start of the first hall. Uwe Lösch alongside Neville Brody alongside Ruedi Baur alongside David Carson alongside Mevis and van Deursen in the second hall. The extensive list is too long for inclusion within this article.

Two aspects of which I would have liked to see more are Eastern European graphic designers, poster artists and type designers that are painfully underrepresented, as much as the more revolutionary changes and upswings of type design after 1984, particularly works of Dutch pioneers such as Just van Rossum, Erik van Blokland and Petr van Blokland. This way, at the end of the circuit you don’t feel like you have come full circle.

At the end of the day, the only really anoying thing is the fact that the website of Staatliche Museen, in its narrow-minded design, doesn’t allow for making this special exhibition really big. It deserves it.