Welt aus Schrift, das Buch

14 Oct

Zur Ausstellung erschien ein 272 Seiten starker Katalog im Quarto-Format bei Walther König, der in Ausstellung wie Internet 29,80 Euro kostet. Website Buchhandlung Walther König. Er beinhaltet etwa 300 fast durchgängig farbige Abbildungen und nicht weniger als 12 Fachartikel zu sehr verschiedenartigen Aspekten des Themas Schrift. Gestaltet wurde das Buch vom Berliner Büro Heimann und Schwantes.

Cover Katalog Welt aus Schrift

Dieses Buch ist mehr als nur ein Katalog und auch mehr als ein Begleitbuch. Da in der Ausstellung selbst weder Audioguides noch Texte Erklärung und Hinführung bieten ist es das Medium der Vermittlung für das Gezeigte überhaupt. Was auf den ersten Blick positiv auffällt, ist die inhaltliche Strukturierung, die auf grafischer Ebene sehr gut umgesetzt ist.

 

Doppelseite des ersten Aufsatzes

 

 

Einführung Zeitabschnitt

 

 

Beginn des ersten Katalogteils

 

Das Buch ist in vier Artikelfolgen und drei Ausstellungsläufe unterteilt, die gestalterisch und dem Papier nach von einander abgesetzt sind. Im steten Wechsel bieten sie einen ansprechenden Rhythmus von Lesen und Kucken. Die chronologische Einteilung von Zeitabschnitten folgt im Wesentlichen der in der Ausstellung, wobei jeder Zeitabschnitt im Bildteil von einer zweiseitigen Einführung eingeleitet wird. Die Fachaufsätze sind in sich geschlossene Einheiten – wiewohl stellenweise aufeinander Bezug nehmend – und erlauben eine selektive Lektüre nach Stimmung und Interesse.

Im Farbkonzept setzen die Gestalter auf die drei traditionsreichen Farben der Drucker, Weiß, Schwarz und Rot. Diese Farben, die schon das papierbezogene Hardcover prägen, wiederholen sich beim schwarzen Vorsatz, den roten Kapitalbändern und in der typografischen Gestaltung des Inhalts. Eine überzeugende Einheit.

Ebenfalls sehr gelungen ist der zweispaltige Satz der Lesetexte mit einem relativ großen Zeilenabstand, der der Lesbarkeit sehr zuträglich ist. Der Umbruch des in schweizer Manier stark flatternden Satzes ist ausgezeichnet. Die Reduktion der äußeren Ränder des Seitenspiegels auf einen knappen Zentimeter bei breit gewähltem Bundsteg zerlegt zwar den Zusammenhalt der Doppelseiten, doch geht diese konsequent durchgezogene Gestaltung nicht zu Lasten des Inhalts und des Materials.

 

Times New Roman, die Fußnoten scheinen vertikal gestaucht.

 

Was mir allerdings partout nicht in den Kopf will ist die Schriftwahl: Times New Roman. Mir ist bewusst, dass es eine typographische Mode gerade im Bereich Kunstbuch ist, mit »antitypographischen« Schriften zu gestalten. Für ein Buch mit solchem Thema hätte ich mir trotzdem etwas anderes gewünscht, zumal es an jungen und sehr guten Typedesignern und -designerinnen in Deutschland nicht mangelt. Leider eine verpasste Chance, einer oder einem von ihnen ein breitenwirksames Podium zu bieten.

 

Bei aller Kritik: meine Digitalaufnahmen sind schlechter als die Tatsachen!

 

Der andere Wermutstropfen der Publikation ist die stellenweise deutliche Abweichung in der Farbigkeit der an sich sehr guten Reproduktionen im Bildteil. Trotz insgesamt sauberer Produktion bleibt die Feststellung, dass nichts den Gang zu den Originalen der Ausstellung ersetzen kann.

Anita Kühnel [Hrsg.] in Zusammenarbeit mit Michael Lailach und Jan May: »Welt aus Schrift – das 20. Jahrhundert in Europa und den USA«, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010. ISBN: 978-3-86560-888-8

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2 Responses to “Welt aus Schrift, das Buch”

  1. Dan Reynolds October 20, 2010 at 18:52 #

    Thank you for this detailed write-up of the catalogue. I bought a copy right after Florian Hardwig’s lecture last week. It really is quite a value for its money. However, I can’t understand what is going on with the boards in the front and back cover? Are they just cut in the wrong grain direction? They feel at odds with the block of the book, whose pages are quite nice in the hand.

    I agree that the Times typeface choice is a bit of a pity, especially in a country (and a city) with so many accomplished designers of text typefaces, old and young. At least they seem to have used the typeface rather well. Times New Roman is a solid design, at least. I can’t agree that its choice is “anti-design.” I can certainly think of more typefaces that would fit into the anti-design category.

    I have not compared the Times cuts with specimen books yet. But it seems that they are using a different cut for the footnotes, which strike me as quite readable (and also dark enough), despite being so wide. I first I wondered if the letters had just been electronically-stretched. But the result seems to good for that.

    I think that the book is worth buying more for the articles than for the images included. Sticking to Times New Roman, ‘The Times’ supplement page about The Times New Roman typeface printed on page 7 is so strikingly poor, when compared with the rich color of the actual document on display in the exhibition.

    Not all of the articles in the book are of the same quality, though. But I find it great that you have broken up your review of the book into two parts… the other one speaking to the texts themselves.

  2. Florian November 14, 2010 at 17:42 #

    The typeface used for the footnotes seems to be Times Small Text, a version that is optimized for, well, smaller sizes – thus technically an appropriate choice. Is it our inevitable familiarity with the standard Times New Roman that makes this rarely seen variant look so odd, with its extremely short extenders and proportionally wider caps?

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